Haere Mai, New Zealand
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Christchurch – Arthur’s Pass – Kaikoura – Christchurch – Akaroa – Christchurch |
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6 Tage | |
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890 km | |
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Ø 148 Km/Tag: | |
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Arthur’s Pass, Christchurch, Rachel und ihre Gastfreundschaft |
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Abschied nehmen |
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Blue Mountains
Es war einmal eine junge Dame, Rachel. Rachel lebt gluecklich und zufrieden in einer Welt, die sie die ihre nennt. Jeden Morgen nach dem Aufstehen weckt sie ihre vier Huehner, gibt ihnen Futter und saeubert die vier mit Stroh ausgelegten kleinen Raeumchen, in denen Rachel’s Huehner die Eier legen, die Rachel am liebsten abends isst. Dann geht Rachel immer unter die Dusche und kocht parallel das Wasser fuer ihren Tee. Bevor Rachel sich auf ihr sportliches Fahrrad setzt und in Richtung Arbeit faehrt, checkt sie stehts, ob es ihren Bienen im Bienenstock gut geht, packt ihr Obst sowie den selbst erstellten Yoghurt in die Tasche und macht sich auf den Weg. Zuvor aber isst sie ihr selbst zusammengestelltes Muesli mit der selbst erstellten Mandelmilch. Sie findet die Milch eigentlich eher erfrischend und nicht milchig. Normale Milch aus dem Laden mag sie nicht, man wisse nie, was die da alles rein tun…
Nachmittags, wenn Rachel erschoepft von der Arbeit kommt, verbringt sie oft Zeit mit ihren Huehnern oder den Bienen, giesst ihren Garten und erntet den gereiften Broccoli, die Erdbeeren, Zitronen, Artischocken, Tomaten und allerlei anderes Obst und Gemuese. Eines ihrer Lieblingserrungenschaften ist Rachels Doerr-Automat, mit dem sie gerne ihr Obst trocknet. Wenn sie dann wieder einmal auf ihre langen Touren geht, Bergsteigen, Radfahren oder Wandern, nimmt sie ihr leckeres, selbst getrocknetes Obst als Proviant mit.
Weil Rachel so viel von der Gesellschaft hat, zum Beispiel wenn sie wandern geht und die Toiletten oder Huetten auf den Wanderwegen nutzt, moechte sie auch etwas zurueckgeben. Daher ist Rachel gerade dabei Feuerwehrfrau zu werden. Und einmal woechentlich trifft sie sich mit einem kleinen Maedchen fuer anderthalb Stunden im Rahmen eines Mentorenprogramms. Gerade vor einer Woche hat sie mit ihrem Strickkurs angefangen und zwischendurch, wenn die Zeit bleibt, gibt sie Yoga-Stunden.
Rachel’s Mitbewohner denken von Rachel, dass sie einen Schaden hat. Weil sie zum Beispiel auf die vier Glasflaschen im Kuechenfenster “Liebe und Hoffnung”, “Abenteuergeist”, “Geduld” und “Erkenntlichkeit” geschrieben hat. Sie selbst glaubt auch nicht so wirklich daran, dass sich das Wasser in den Flaschen aufgrund der Woerter veraendert. Die vier Worte aber erinnern sie immer wieder an die wichtigen Dinge im Leben. Fuer ihre Mandelmilch, die sie vor vier Tagen gemacht hat, hat sie das “Liebe und Hoffnung”-Wasser benutzt.
Rachel hat Traeume. Aber Rachel’s Traeume sind ein bisschen anders als die Traeume eines 26-jaehrigen Maedchens. Was soll Rachel auch traeumen von einer Hochzeit in weissem Brautkleid oder so? Das hat sie schon lange hinter sich gebracht. Und endlich ist sie auch offiziell geschieden. Ein eigenes Haus? Nein, davon traeumt Rachel auch nicht. Das hat sie schon einige Monate. Rachel traeumt davon, unabhaengig zu sein. Autark. Unabhaengig von der Gesellschaft. Unabhaengig von Supermaerkten. Autark in einer Community irgendwo weit weg von allem. Weil irgendwann irgendwas passieren wird mit der Gesellschaft. Weil wir viel zu viel nehmen. Nichts geben. Sie weiss nicht genau was das ist, was da passiert. Aber sollte sie jemals Kinder haben – sie wuerde nie Kinder in diese Welt setzen wollen! – sollte sie jemals Kinder zur Welt bringen, dann in die ihre Welt, in die Community-Welt.
Doch Rachel’s Traum beinhaltet auch ein autarkes Haus mit Regenwasserkollektor, Solardach, Komposttoilette – das ist viel zu teuer zur Zeit. Daher muss Rachel weiter traeumen und auf den passenden Moment warten. Einige Freunde hat sie schon fuer ihre Idee begeistern koennen. So eine eigene Kommune. Irgendwo.
In Rachel’s Leben herrscht also die uebliche Ordnung und Ruhe in einem ueblich geordneten Leben mit den ueblichen Traeumen einer ueblich 26-Jaehrigen – bis ploetzlich wie aus dem Nichts Andreas und Peter auftauchen…
Eine Bleibe zum Verweilen
Auf unserer Reise in Fox Village haben wir Rachel damals mit Suzi getroffen. Und weil sie in Christchurch wohnt, unsere letzte Station auf der Neuseeland-Reise, hat sie uns angeboten bei ihr unter zu kommen. Am Dienstag vor einer Woche fuhren wir mit Perle vor und heute, am Sonntag, zwoelf Tage spaeter, verlassen wir Rachel leider wieder. Mit einer unerwarteten Gastfreundschaft und ihrer unermuedlich lieben und offenen Art hat Rachel uns mehr als mit offenen Armen in ihre Welt gelassen und uns an ihrer Welt teilhaben lassen. In den letzten zwoelf Tagen haben wir Rachel kennengelernt und jeden Tag aufs Neue festgestellt, dass sie eine der liebsten Menschen ist, die Andreas und ich jemals kennenlernten.
Heute geht ganz viel zu Ende. Abschied nehmen von Rachel, von Neuseeland und irgendwie fuer mich auch von Andreas. Der versucht schon zu schlafen, weil wir in wenigen Stunden, morgens um halb drei, schon wieder aus dem Bett muessen. Um zwanzig nach drei kommt das Taxi – dann geht es an den Flughafen…
Es ist ein merkwuerdiges Gefuehl, wenn das eigene Auto von einem wegfaehrt…
Weil wir unser Auto verkaufen wollten, sind wir so frueh in Christchurch angekommen. Dass wir am Ende einer Sommersaison und zudem in Christchurch und nicht in Auckland (wo die meisten Backpacker ihre Reise starten) eher mit wenig Interessenten rechnen muessten war uns klar – dass die ersten Tage allerdings so ernuechternd sein werden, damit haben wir nicht gerechnet. Nachdem wir in der gesamten Stadt in jedem Hostel und in jeder Jugendherberge und im Internet Werbung fuer den Wagen gemacht haben, geschah eine ganze Weile nichts. Und dann immer noch nichts. Und wieder nichts. Sonntag sind wir auf einen Automarkt gegangen der aehnlich wie in Auckland funktioniert: Leute, die ihren Wagen verkaufen wollen, treffen auf Leute, die einen Wagen kaufen wollen. Die Situation zurzeit war eher so: Zwanzig Leute (davon achtzehn Backpacker), die ihren Wagen verkaufen wollen treffen auf zwei oder drei Interessierte… Enttaeuschung und Frust hat sich bei uns beiden breit gemacht – bis am Sonntagnachmittag endlich ein Anruf kam: Vier interessierte Israelis wollen das Auto sehen, finden es toll – und kaufen es uns auf der Stelle ab.
Endlich wieder on Tour
Der Plan war, die letzten Tage in Christchurch mit kleinen Reisen zu verbinden. Da das Auto nun verkauft war, wollten Andreas und ich uns daher einen kleinen Wagen fuer drei Tage mieten. Doch auch dies war in der Theorie mal wieder einfacher als in der Praxis: Mehrfach haben wir einen Wagen gebucht um wenige Minuten spaeter eine Mail zu bekommen, in der die Buchung rueckgaengig gemacht wurde. Ueber einen Tag habe ich damit verbracht, nach Autos zu schauen. Irgendwie scheinen alle Leihwagen unterwegs zu sein. Als am Dienstag schliesslich und endlich ein Wagen auf uns wartet erfahre ich von dem Verleiher, dass gerade diese ein, zwei Wochen die hektischste Zeit im Jahr fuer Autoverleiher ist…
Abenteuer pur
Von Dienstag bis Freitag standen schliesslich wieder Abenteuer und Erforschen auf dem Programm. Man kann sich in der Tat schnell an den Luxus gewoehnen, den eine Bleibe, die eigenen vier Waende, bieten. Internet, DVDs, eine Kueche, eine Dusche, Menschen um einen herum… Umso extremer haben sich die vier Tage Abenteuer fuer mich angefuehlt. Zuerst machten wir uns mit unserem kleinen Flitzer auf den Weg in Richtung Arthur’s Pass: Von Christchurch aus fuehrt der Highway in Richtung Inland und Bergmassiv bis auf die andere Seite der Insel nach Greymouth. Ganz so weit wollten wir nicht, schliesslich haben wir die Westkueste schon gesehen.
Auf unserer Reise haben wir schon zahlreiche Hoehlen gesehen – doch die Hoehle im Cave Stream Scenic Reserve hat uns beiden den Atem geraubt. Durch Kalkfelsen hat sich in abermillionen Jahren Wasser einen Weg gebohrt und dieser ist so massiv, dass man – bei wenig Wasser – durch die Hoehle gehen kann. Unglaublich sanft geschliffen sind die Waende und die Decke, mit hoher Geschwindigkeit fliesst das kuehle Wasser an uns vorbei. Ein Maler haette in seiner Fantasie eine Hoehle nicht schoener malen koennen… Es ist stockfinster, wir vertrauen auf unsere Kopflampen. Nach einer Stunde Abenteuer kommen wir auf der anderen Seite des Massivs wieder ans Tageslicht.
Am zweiten Tag in Arthur’s Pass ein anderes Extrem: Wir ersteigen Avalanche Peak, einen Berggipfel der fast zwei Kilometer ueber dem Meeresspiegel thront. Gut zweieinhalb Stunden brauchen wir fuer die steinigen 1100 Hoehenmeter, die uns von der Siedlung Arthur’s Village auf die Spitze bringen. Wenige Grad und eisiger Wind machen es fast unmoeglich den Augenblick zu geniessen – und doch ist das Gefuel einen so hohen Berg bestiegen zu haben unbeschreiblich.

Wir steigen hoch hinaus: Avalanche Peak hinter uns, vor uns der Blick auf die kleine Siedlung Arthur's Pass Village. Die Zugstrecke, die von Christchurch nach greymouth auf der anderen Seite der Kueste fuehrt, ist eine der schoensten Zugstrecken auf der ganzen Welt...
Donnerstag verbringen wir in Kaikoura, einer Stadt noerdlich von Christchurch, die vor allem fuer Delfine und Wale bekannt ist. Da wir aber keine der Touren buchen und das Wetter leider nicht ganz so toll ist, hat die Stadt fuer uns wenig zu bieten.

Kaikoura, Neuseeland. Eines der wenigen Fotos, die ich in der recht langweiligen Stadt geschossen habe.
Recht schnell machen wir uns auf den Rueckweg nach Christchurch, um am Freitag in Richtung Banks Peninsula aufzubrechen, wo wir mit Babette (Rachel’s Mitbewohnerin) eigentlich (und endlich!) mit Delfinen schwimmen wollen. Doch leider sind die kleinen Hector-Delfine, die es nur in den Gewaessern Neuseelands gibt, heute zu scheu und wir koennen sie nur vom Boot aus sehen. Als wir ins Wasser steigen, schwimmen sie davon.
Viel Christchurch – wenig Abenteuer
Abenteuer-Abstinenz. Der Ausdruck passt vortrefflich. Wenngleich die Zeit in Christchurch bei Rachel, mit DVDs, Grillabenden, Stadtbesichtigung, Yoga und Parties unbeschreiblich toll war, so kam dies doch sehr dem Alltagsleben nahe, das nun wieder auf mich wartet. In wenigen Stunden sitze ich im Flieger zurueck nach Sydney, wo Semester zwei an der University of Technology auf mich wartet. Der Alltag hat mich wieder. Abenteuer-Abstinenz.
Sechs Wochen Abenteuer – sechs Wochen Neuseeland. Ein Fazit. Zumindest der Versuch.
Ich bin ja noch gar nicht raus, ich bin ja noch drin. Wie soll ich also von drinnen nach draussen kommen um dann von draussen nach innen zu schauen!? Gut, versuchen wirs. Reflektieren wir. Ueber die Reise. Die letzten Abenteuer. Das Gewesene. Neuseeland. Ja. Ein Traum. Erlebnisreich. Unglaublich. Toll. Neuseeland hat mich verzaubert, Neuseeland ist magisch. Verglichen mit der Suedinsel war die von mir in den ersten Wochen der Reise besuchte Nordinsel schon fast eine Lachnummer. Ja, sie war schoen, die Nordinsel. Aber schoen ist die Schwester von…
Der Sueden, das Wetter, die Menschen, die Natur. Viele Freunde fragen mich nun zu Recht danach, ob Australien immer noch Platz eins ist. Ich kann dies schwer beantworten und will es um ehrlich zu sein eigentlich nicht. Denn Australien wird immer Platz eins bleiben, auch wenn der erste Platz eventuell einem anderen Land zustehen wuerde. Australien ist und bleibt mein Sprungbrett zu neuen Lebensabschnitten und zu mein Leben veraendernden Momenten. Das praegt und macht das Land zu meiner Nummer eins. Neuseeland? Ja, sechs Wochen haben gereicht, um mich ziemlich umzupolen und neu auszurichten. In den vergangenen sechs Wochen hatte ich genug Zeit, meine nahe Zukunft kritisch zu ueberdenken. Mit den Augen des Reisenden, dem Kopf des Freidenkers und dem neuen Jahresmotto “Freiheit, Freedom”. Was dabei rausgekommen ist, ueberrascht mich unglaublich. Spruchreif ist es noch lange nicht. Wir werden sehen.
Fazit: Kuddelmuddel wirrwarrwurr. Ich weiss. Schoen wars. Trotzdem.
Uebrigens: Heute Nachmittag habe ich mich in Rachel’s Garten gelegt. Neben die Huehner, wenn man so will. Damit ich nicht verdurste, habe ich mir Wasser aus der Kueche geholt. Ich griff zu den Glasflaschen im Kuechenfenster. Mein Wasser hiess “Liebe und Hoffnung”.















































































Fest gestellt – mit Rachel würde sich Dein Papa bestens verstehen und ihr getrocknetes Obst- lecker!!!
In der Tat!
Die Rachel ist eine unglaublich liebe!
Ich liebe dich, Mama!
nice photos, peter
always enjoy reading * a bit * and looking at the pictures on your blog!
very talented!
Myra!
Good call! We should finally go picture hunting in Sydney! Didn’t take any nice ones yet!
VIVID! Sunday? Or Saturday?
Hi Peter! Awesome writing style, had lots of laughs! I’ll have to do some translating for Rach I think. However, do have to point out that it is not a Tui, it is a Kea!!! Hope you had a good weekend!
Talk soon!! xx pep
Hi Pep! Thanks for the feedback! You are damn right… A KEA, not a TUI… We saw some Tuis in Fox Village and I was amazed by the name… Yeah, must have mixed that birds up! Thanks for the feedback! Will change that straight away!
[...] Naturhighlights zu erleben: Pinguine, die in der Wildnis zum Greifen nah an mir vorbei gehen! Doch auch das schoenste Abenteuer geht vorbei: Abenteuer-Abstinenz. Viel [...]
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